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Kein Brot für die Spiele der Selbstherrlichen

Das Nein zu «Sion 2026» ist kein Entscheid gegen die Walliser Organisatoren. Es spiegelt vielmehr die Skepsis gegenüber der Selbstherrlichkeit interna-tionaler Sportverbände. Die Schweiz braucht keine Plattform zur Selbstdar-stellung.

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Olympia ist mehr als ein Tourismus- und Infrastrukturprojekt

Die Olympischen Spiele müssten wieder verstärkt den Menschen statt die Markt- und Technologie-orientierung zu ihrem Zentrum machen. Das würde helfen, die verlor-ene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

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«Die Kraft solcher Spiele wird überschätzt»

Touristiker Jürg Stettler hinterfragt grossmundige Versprechen der Promotoren von Sion 2026.

NZZ

Das IOC muss Risiken für Winterspiele tragen

Unabhängig von politischen Haltungen ist festzustellen: Trägt die Schweiz das finanzielle Risiko, darf sie sich nicht auf Olympia einlassen.

Irgendein Plätzchen wird sich finden

15.11.2018

Die Absage aus Calgary zeigt: Winterspiele sind das olympische Problemkind. Aber zur Not wird 2026 eben in der Türkei oder in Kasachstan gerodelt, gerutscht und gewedelt. (SZ)

Kommentar von René Hofmann

Eines darf als gesichert gelten: Auch 2026 werden Olympische Winterspiele stattfinden. Trotz allem. Obwohl sich in Calgary die Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Bewerbung um die Veranstaltung aussprach und das Internationale Olympische Komitee (IOC) nun nur noch mit den zwei äußerst unsicheren Kandidaten Stockholm (keine Unterstützung durch die örtliche Politik) und Cortina d'Ampezzo/Mailand (keinerlei finanzielle Zusagen) dasteht: Irgendein Plätzchen wird sich schon finden, an dem in acht Jahren gerodelt, gerutscht und gewedelt werden darf.

Vielleicht in Erzurum in der Türkei, obwohl das IOC das jüngst noch ausschloss, weil es dort keine Bobbahn gibt. Oder in Almaty in Kasachstan, dem Peking unterlegenen Bewerber um die Spiele 2022. Oder in Salt Lake City, dem Gastgeber der Spiele 2002, weil es dort fast alles, was es für das Sportfest braucht, schon gibt und in den USA im Moment ja irgendwie fast alles möglich erscheint.

Irgendwo wird es weitergehen mit der Idee, sportliche Wettkämpfe auf Eis und Schnee auszutragen. Aber eines tritt mit dem Nein der Kanadier nun doch sehr scharf hervor: Der Plan von IOC-Präsident Thomas Bach, der traditionsreichen Veranstaltung mit einer Rückkehr an einen traditionsreichen Wintersportort wieder Schwung zu verleihen - er ist gescheitert. Denn dort, wo im Winter schon lange Sport getrieben wird, ist Bachs Bewegung schlicht nicht mehr willkommen.

2022 in Peking droht nun der GAU

Vor Calgary hatten bereits Innsbruck, Sion, Graz und Sapporo ihr Interesse zurückgezogen. Vor der Kür der Kandidatenstadt 2022 hatte es sogar sieben Absagen gehagelt: München, St. Moritz, Stockholm, Oslo, Lemberg, Krakau und Barcelona hatten ihr Interesse an der winterlichen Ringeshow verloren. Inzwischen ist diese zum Problemkind der Olympiafamilie geworden.

Ein paar edle Vorsätze wie weniger Gigantismus, mehr Nachhaltigkeit beim Sportstättenbau und weniger Protz der Funktionäre werden nicht reichen, um das Dilemma zu lösen. Wenn das IOC möchte, dass das Sportfest in demokratischen Gesellschaften wieder Zuspruch findet, muss es über dessen Grundsätze nachdenken: Wie sinnvoll ist es überhaupt, die Verbreitung von Sportarten wie Rodeln, Bob fahren oder Skispringen, für die extreme Bauten nötig sind, weltweit voranzutreiben? Wie klug ist es, für eine Veranstaltung, für die ohnehin nur an wenigen Plätzen die klimatischen und strukturellen Bedingungen gegeben sind, alle vier Jahre eine globale Ausschreibung zu initiieren?

2007 bog die olympische Bewegung mit der Kür der subtropischen Stadt Sotschi als Austragungsort für die Winterspiele 2014 auf einen falschen Weg ab. Mit dem Mantra "Wir wollen neue Märkte erschließen" wurde dieser 2018 in Pyeongchang in Südkorea fortgesetzt. 2022 in Peking droht nun der GAU: ökologisch irrsinnige Spiele vor mäßig interessiertem Publikum in einer alles andere als freien Gesellschaft. Danach kann es fast nur besser werden. Viel wäre gar nicht nötig, um mit den Spielen 2026 in der öffentlichen Wahrnehmung einen Erfolg zu erzielen. Dass sich trotzdem kein Ort findet, der gerne Gastgeber spielt, zeigt das dramatische Ausmaß der Krise.

Null Bock auf Olympia 2026

15.11.2018. Es kommt wie befürchtet: Calgary will die Olympischen Winterspiele 2026 auch nicht. Am Ende könnte das IOC tatsächlich ohne Bewerber dastehen. Ein Horrorszenario, gar ein Olympia-Aus sieht Experte Wolfgang Maennig dennoch nicht. Reformbedarf schon. (n-tv.de)

Von Anja Rau

Olympische Spiele? Nicht mit uns! Nach Sion, Innsbruck und Graubünden scheidet auch Calgary als potentieller Ausrichter für die Olympischen Winterspiele 2026 aus. 56,4 Prozent der Bürger sprachen sich bei einem Referendum gegen die Ausrichtung aus, nur 43,6 Prozent waren dafür, ein deutliches Votum. Dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gehen nach der nächsten olympischen Abfuhr die Bewerber aus.

Das dürfte den IOC mit seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach besonders schmerzen, schließlich war Calgary erst Anfang Oktober zu einem von drei offiziellen Kandidaten ernannt worden. Und: Calgary ist ein Wintersport-Mekka, die Stadt hat viele bestehende Sportanlagen, hatte bereits die Winterspiele 1988 ausgerichtet - und hätte deshalb eigentlich gut einschätzen können, was eine Olympia-Austragung auch an positiven Dingen bedeuten kann, wie Wolfgang Maennig gegenüber n-tv.de betont. Der Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Hamburg, selbst Ruder-Olympiasieger 1988 und immer noch "fanatischer Olympiaanhänger", sagt: Calgary hat "einen Informationsvorsprung gegenüber anderen Regionen, in denen abgestimmt wird. Trotzdem oder gerade deshalb hat sie sich dagegen entschieden."

"Vor jedem Referendum Angst"

Damit sind für 2026 offiziell nur noch Stockholm sowie Mailand mit Cortina d'Ampezzo im Rennen, die Minimalzahl für ein Bewerbungsrennen. Das Problem für das IOC: Auch diese beiden Bewerbungen stehen auf der Kippe. Stockholms neuer Stadtrat sprach sich bereits vor mehreren Wochen gegen eine Unterstützung der Olympia-Kandidatur mit öffentlichen Mitteln aus, einzig das Nationale Olympische Komitee will nicht von einer Bewerbung lassen. Italiens Regierung möchte die Bewerbung zwar ideell unterstützen, allerdings ebenfalls nicht finanziell. Es gebe "keinen Euro, weder für direkte noch indirekte Kosten", machte der stellvertretende Ministerpräsident Luigi Di Maio deutlich. Spiele ja, Geld nein? Damit wäre die Bewerbung de facto tot.

Der Olympia-Ausrichter für 2026 soll auf der IOC-Vollversammlung am 24. Juni 2019 in Lausanne gekürt werden. Dass es dazu kommt, ist für IOC-Ehrenmitglied Gian Franco Kasper keinesfalls mehr sicher. Schon vor Wochen hatte der Präsident des Weltskiverbandes FIS in der "Neuen Züricher Zeitung" gewarnt: "Lasst uns hoffen, dass wir bei der Wahl in Lausanne im Juni noch Kandidaten haben." Und mit Blick auf die anstehende Bürgerbefragung in Calgary offen eingestanden: "Ich habe vor jedem neuen Referendum Angst." Die Sorgen sind berechtigt: Vor Calgarys klarem Nein hatte bereits die Bevölkerung im schweizerischen Sion und in Tirol gegen eine Bewerbung für 2026 votiert, auch die Olympia-Bewerbungen von Hamburg für 2024 sowie München, Krakau und Graubünden für 2022 waren von den Bürgern abgeschmettert worden.

Absagen von Olympiakandidaturen nehmen zu: Graphik vergrössern...
 

Calgary ist damit der siebte Olympia-Interessent in Folge, der dem IOC eine Absage für die Ausrichtung Olympischer Spiele erteilen muss, weil die Bevölkerung den Plan nicht unterstützt. Die Angst vor Korruption, Gigantismus und horrenden Kosten ist zu groß. Zwar war das IOC den Bewerbern bereits entgegengekommen, dennoch hätten die Winterspiele die Stadt Calgary wohl mindestens 3,5 Milliarden Euro gekostet, haben Berechnungen ergeben. Ein krasser Widerspruch zur IOC-Behauptung von #NoCostOlympics. Allein die Bewerbung der japanischen Stadt Tokio, die letztlich den Zuschlag für Olympia 2020 bekam, hat laut Maennig 100 Millionen Dollar gekostet. Für die Winterspiele 2022 in Peking erwartet IOC-Mann Kasper einen neuen olympischen Kostenrekord. Beispiele, die Bürger abschrecken.

Sportler sollen Initiative ergreifen

Dabei habe das IOC nach der Tokio-Bewerbung mit der Agenda 2020 dagegen gesteuert, gesteht Maennig dem Komitee zu: "Man hat abgespeckt, man setzt mehr auf temporäre Bauten, man hat kleinere Stadien akzeptiert, man hat akzeptiert, dass sich Regionen bewerben, man hat jetzt den ganzen Bewerbungsprozess auf den Kopf gestellt." Aber: Das verhindert - siehe Peking - keine Kostenexzesse und reicht offenbar nicht, um die Bürger zu überzeugen. Für deren Ablehnung sieht Maennig allerdings noch einen weiteren Grund: "In Deutschland und vielen anderen Ländern ist es immer schwer, eine Mehrheit für etwas Neues zu bekommen. Wir nennen das 'Status-Quo-Denken'."

Außerdem seien Volksabstimmungen offenbar "ein Ventil zum Druckablassen gegen die Regierung zwischen den Wahlen", so der Olympiaexperte. Doch das sei ein Problem, das man lösen könne. Eine Bewerbung müsse als eine Art Bürgerinitiative von Sportlern oder Sportbegeisterten selbst initiiert werden, erklärt Maennig, nicht als Projekt von Politik und Wirtschaft wie bei Hamburgs gescheiterten Anlauf für die Sommerspiele 2024. In der Hansestadt waren sich Maennig zufolge der Handelskammerpräsident und der Bürgermeister völlig einig, damit war das Konzept von oben auferlegt.

Zudem müsse klar festgelegt werden, dass Olympische Spiele die austragende Stadt nicht automatisch vollkommen umkrempeln. "Wenn wir ehrlich sind, waren die Olympischen Spiele auch zu einem Stadtentwicklungsprogramm degeneriert. Barcelona gilt als Musterbeispiel wie man durch Olympia so 20, 30 Jahre nach vorne springen kann", sagt Maennig über die Sommerspiele 1992: "Danach hat sich keiner mehr beworben, weil sie die besten Sportler in der Stadt haben wollten, sondern weil sie Milliarden von ihren Nationalregierungen erpressen wollten, um Infrastrukturmaßnahmen zu realisieren, die sie sonst allenfalls 10, 20, 30 Jahre später bekommen hätten", kritisiert er und stellt klar: "Olympia war nie ein Stadtentwicklungsprogramm!"

IOC muss neu verhandeln

Das Ende der Olympischen Spiele, das von einigen bereits herbeigeschrieben wird, droht laut Maennig nicht. Die Situation sei schon in der Vergangenheit ähnlich vertrackt gewesen. Für 1976 gab die amerikanische Stadt Denver kurzfristig die Austragung der Winterspiele zurück - die erfahrene Olympiastadt Innsbruck sprang ein. Nach dem finanziellen Desaster der Sommerspiele 1976 in Montreal, der Wirtschaftskrise der Jahre 1974/75 sowie geforderter Garantien, sagten die Bewerber für das Jahr 1984 ab. Letztlich erklärte sich Los Angeles zur Austragung bereit und machte mit Olympia tatsächlich einen Gewinn - weil dessen Bewerberkomitee in seiner günstigen Position als einziger Kandidat aushandeln konnte, vor allem bestehende Sportanlagen zu nutzen, den Fernsehvertrag selbst auszuhandeln, Sportler nicht in einem Olympischen Dorf unterzubringen sowie den Profit selbst einzubehalten statt ihn an das IOC abzuführen.

Und jetzt? Was passiert, wenn für die Spiele 2026 mit Stockholm und Mailand tatsächlich auch die anderen Bewerber noch abspringen? Gibt es tatsächlich den Notkandidaten Argentinien? Muss Salt Lake City einspringen, was angesichts des Bestechungsskandals der Winterspiele von 2002 eine ganz eigene olympische Pointe hätte? Maennig bringt für den Notfall die kasachische Stadt Almaty ins Spiel, die sich bei der Bewerbung um die Winterspiele 2022 Peking knapp geschlagen geben musste. Aber: "Ich glaube, dass Kasachstan noch verschnupft ist. Die warten vielleicht mal in Ruhe ab, dass das IOC auf sie zukommt, dann haben sie mehr Verhandlungsspielraum."

Winter-Olympia — historische Fehlplanungen

Albertville 1992 (FRA): Synonym für ein Versagen aller Kontrollin­stanzen. Die Winterspiele sorgten für ein Umwelt- und Finanzdesaster, allein die Abfahrtsstrecke in Val d'Isère und die Bobbahn sorgen für Kopfschütteln.

Nagano 1998 (JPN): Die 400.000-Einwohner-Stadt im Herzen Japans knabbert noch immer an ihrem Olympia-Abenteuer. Etliche Umweltsünden wurden begangen, der Traum von einer asiatischen Touristen-Attraktion sollte sich nicht bewahrheiten. Die Bobbahn steht sinnbildlich für das Scheitern der Winterspiele.

Turin 2006 (ITA): Warum sich Italien nach der Pleite von 2006, den „FIAT-Spielen", erneut bewirbt, bleibt angesichts der Staatsfinanzen ein Rätsel. Die Bobbahn in Cesana wurde im Jahr 2011 aufgrund der anfallenden Kosten geschlossen, die nordischen Anlagen in Pragelato harren ihrem nacholympischen Erbe.

Sotschi 2014 (RUS): Auch wenn das Internationale Olympische Komitee großzügig über gesetzliche Bedenken mit dem Verweis auf die Landesautonomie hinwegsah (Menschenrechte) — die Umweltsünden waren nicht zu übersehen. Von 40 Milliarden Euro Kosten war die Rede, die groß angekündigte Renaturierung der als Tourismusresort der Zukunft angepriesenen Kaukasus-Region konnte das niemals übertünchen.

Pyeongchang 2018 (KOR): Wieder einmal Olympische Winterspiele in Asien. Und Koreas Industrie ließ keine Kostenfragen aufkommen. Nachhaltigkeit von Sprunganlage und vor allem Eiskanal dürfen angezweifelt werden.


Glanz verblasst, kaum Interessenten: Wer will noch Winter-Olympia?

23.11.2018. Calgary ließ wie zuletzt schon Tirol und Graz seinen Bewerbungstraum platzen, Olympische Winterspiele 2026 gelten offensichtlich als unvermittelbar. Die Zukunft sieht düster aus. (TT)

 

OLYMPIA-ABSAGE – EIN GEWINN FÜR DIE DEMOKRATIE

Wegen der drohenden Ablehnung des Abenteuers Olympia in der steirischen Bevölkerung hat das ÖOC die Reißleine gezogen. Nachdem feststand, dass die KPÖ in Graz genügend Unterstützungserklärungen für eine Volksbefragung gesammelt hatte, musste es zu einer Entscheidung kommen.

Das Komitee «Nein zu Sion 2026» freut sich über das Nein

Die Walliserinnen und Walliser wollen nicht, dass ihre Steuergelder in einem kurzen Olympischen Strohfeuer landen. Vielmehr sollten damit Projekte unterstützt werden, von denen das Wallis als Kanton langfristig profitiert.

Danke an die Tiroler – Olympia-Watschn pickt!

Wir sagen den Tirolerinnen und Tirolern Danke für 53% Nein zu Olympia! Es ist zu billig, die Verantwortung für dieses Debakel nur auf das IOC und die schlechte Kampagne abzuschieben.  Die Tiroler haben bestens verstanden, worum es geht.

Das Bündner Volk hat Olympia den Zahn gezogen!

Der Grundsatzentscheid der Bündner Stimmbevölkerung  sich nicht in ein unkalkulier-bares Olympiaabenteuer zu stürzen.

Kritik an GR2022

Das Bündner Volk hat rechtzeitig den Stecker gezogen!

Bündnerinnen und Bündner wollen schuldenfrei bleiben, die Landschaft als Kapital erhalten und weiterhin Geld für die Unterstützung von nachhaltigem Tourismus, Bildung und Kultur zur Verfügung zu haben.