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Sind ernsthafte Mitbewerber vorhanden?

16.02.2013

Wenn Graubünden kandidiert, wie gross wäre die Chance auf den Zuschlag für die Winterspiele? Sehr gross, meint IOC-Insider und Journalist Jens Weinreich (Bündner Tagblatt).

VON MARC MELCHER

Im Rahmen eines Anlasses der Olympiagegner hat am Donnerstag der deutsche Journalist Jens Weinreich in Chur referiert. Weinreich befasst sich seit Jahren intensiv mit der Sportpolitik und setzt sich kritisch mit Verbänden wie Fifa und IOC auseinander. Die Chancen, dass sich das IOC für eine allfällige Kandidatur Graubündens entscheiden würde, stehen gemäss Weinreich gut.
Dies liege aber nicht etwa an einem überzeugenden Bündner Dossier. Vielmehr würden akzeptable Mitbewerber fehlen: «Eine Kandidatur Oslos kann ich mir nicht vorstellen.» Eine Bewerbung aus Norwegen hält Weinreich nur realistisch, wenn die Bündner Kandidatur ausbleibt: «Dann könnte Oslo seine Chance wahrnehmen.» Auch München werde sich nicht mehr bewerben. Damit werde ein Trend fortgesetzt: So wenige Bewerber wie für die Sommerspiele 2020 habe es seit 40 Jahren nicht mehr gegeben.

«Spielball von Despoten»


Die Gründe dafür sieht er in den jüngsten Entwicklungen der Olympischen Spiele: «Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis.» Zudem seien die Spiele immer grösser geworden, und auch die Finanzkrise halte viele von einer Kandidatur ab. «Die Spiele werden immer mehr zum Spielball von Despoten und Oligarchen», betont Weinreich.

Als Gegenspieler Graubündens erkennt der Journalist heute vor allem die Ukraine. Und dass diese den Zuschlag erhält, sei unwahrscheinlich: «Die sind zwar heiss auf die Spiele, aber nach Russland wird das IOC wohl kaum die Ukraine berücksichtigen.»

Daran, dass das nachhaltige Bündner Konzept bei den IOC-Mitglieder punkten wird, glaubt Weinreich nicht: «Das IOC schert sich einen Dreck um die Qualität der Bewerber.» Häufig würden die Mitglieder die Bewerbungen vor der Vergabe überhaupt nicht studieren. Auch sei die Nachhaltigkeit bisher keine wichtige Grundlage für das IOC gewesen: «Im Vergleich zu Sotschi wäre Salzburg um einiges nachhaltiger gewesen.» Dasselbe gelte für München und Pyoengchang.

Das Vorgehen der Bündner Olympiapromotoren stösst bei Weinreich aber auch auf Lob: «Ich finde es toll, dass die Kosten so transparent dargestellt werden, das ist nicht selbstverständich.» Auch andere Bündner hat er in ein gutes Licht gerückt. Für FIS-Präsident und IOC-Mitglied Gian-Franco Kasper betont Weinreich in Sachen Korruption: «Für ihn würde ich fast meine Hand ins Feuer legen.»

Jens Weinreich

Innerstädtische Olympia-Diskussion in Chur

Churer Diskussion
 

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