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Leiter des Komitees Olympia-kritisches Graubünden

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NZZ

Kein Brot für die Spiele der Selbstherrlichen

Das Nein zu «Sion 2026» ist kein Entscheid gegen die Walliser Organisatoren. Es spiegelt vielmehr die Skepsis gegenüber der Selbstherrlichkeit interna-tionaler Sportverbände. Die Schweiz braucht keine Plattform zur Selbstdar-stellung.

NZZ

Olympia ist mehr als ein Tourismus- und Infrastrukturprojekt

Die Olympischen Spiele müssten wieder verstärkt den Menschen statt die Markt- und Technologie-orientierung zu ihrem Zentrum machen. Das würde helfen, die verlor-ene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Tages-Anzeiger

«Die Kraft solcher Spiele wird überschätzt»

Touristiker Jürg Stettler hinterfragt grossmundige Versprechen der Promotoren von Sion 2026.

NZZ

Das IOC muss Risiken für Winterspiele tragen

Unabhängig von politischen Haltungen ist festzustellen: Trägt die Schweiz das finanzielle Risiko, darf sie sich nicht auf Olympia einlassen.

Der Airbnb-Protest

01.12.2019

Airbnb wird Langzeitsponsor der Olympischen Spiele – auch 2026 in Italien und Südtirol. In Paris hat der Hotelverband die Zusammenarbeit ausgesetzt. Auch HGV-Präsident Manfred Pinzger ist verärgert. (Neue Südtiroler Tageszeitung Online)

von Heinrich Schwarz

Die Unterkunfts-Vermittlungsplattform Airbnb und das Internationale Olympische Komitee IOC haben eine Sponsoring-Vereinbarung für fünf Olympische Spiele bis zu den Sommerspielen 2028 in Los Angeles bekanntgegeben. Sie sprechen von einer innovativen Partnerschaft, um die Spiele effizient und nachhaltig durchzuführen.

Ziel sei es, durch die Bereitstellung von Betten den Bedarf an Neubauten und damit Kosten zu reduzieren (und der Bevölkerung Einnahmen zu ermöglichen) sowie den Sportlern neue Marketing-Kanäle zu eröffnen.

Doch die Partnerschaft sorgt für heftige Kritik – insbesondere in Paris, wo die Olympischen Sommerspiele 2024 stattfinden. Die Stadtverwaltung kritisiert, dass Airbnb-Vermietungen den Wohnungsmangel verschärfen und die Mietpreise in die Höhe treiben.

Und der französische Hotelverband hat aus Protest seine Teilnahme an den Vorbereitungen für die Spiele ausgesetzt. Er zweifelt daran, dass Airbnb die gleichen Regeln befolgen muss wie das Hotelgewerbe, und er kritisiert, dass Airbnb in Frankreich überhaupt keine Steuern zahle. „Das ist kein einfacher Ärger mehr, das ist nackte Wut“, wird der Hotelverbands-Präsident in den Medien zitiert.

Das Airbnb-Sponsoring betrifft auch die Olympischen Spiele 2026 in Italien und Südtirol. Die TAGESZEITUNG hat mit Manfred Pinzger, Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbandes, gesprochen.

Tageszeitung: Herr Pinzger, wie hat der HGV die Partnerschaft zwischen den Olympischen Spielen und Airbnb aufgenommen?
Manfred Pinzger: Grundsätzlich haben wir einen freien Markt, wo Angebot und Nachfrage entscheidet. Wir haben aber einen großen Dienst geleistet, um ein ausreichendes Kontingent an Betten zusammenzubekommen, damit Italien überhaupt den Zuschlag kriegen konnte. Von Airbnb habe ich da weit und breit nichts gesehen, während sich unsere Mitgliedsbetriebe und Funktionäre bewegt und auch für Cortina Betten bereitgestellt haben. Deshalb waren wir schon sehr verwundert, dass jetzt dieser Sponsorvertrag mit Airbnb abgeschlossen worden ist. Wobei dieser Vertrag für uns – gerade im Hochpustertal – operativ bei Olympia nicht unbedingt eine Rolle spielt. Aber für Airbnb ist es eine Imagefrage und eine weitreichende Investition. Wir sind schon sehr überrascht und können es nicht ganz nachvollziehen.

Sie haben es angesprochen: Der HGV musste Hotelzimmer zu vordefinierten Preisen zusammenkratzen, damit der Olympia-Zuschlag überhaupt möglich wurde. Kann man jetzt sagen, dass Airbnb der gemütliche Teil bleibt und die Einnahmen der Hotels sinken könnten?

Ja, sicher – wobei ich die Initiative von Airbnb nicht direkt mit den Olympischen Spielen in Verbindung bringe, weil Airbnb das Angebot nicht hat. Wir haben das Angebot und werden die Betten weiterhin liefern. Nur für Airbnb ist es eben eine weitreichende, mittel- und langfristige Prestigewerbung. Da hat man uns als Gesamthotellerie nicht den Vorbedingungen entsprechend behandelt. Deshalb sind wir – das kann man ganz klar sagen – sehr enttäuscht.

Hat das Konsequenzen auf das zukünftige Verhalten hinsichtlich Olympia?
Wir haben das Thema Dienstag letzter Woche in Rom anlässlich einer Ausschusssitzung des Dachverbandes Federalberghi behandelt. Generaldirektor und Präsident haben schon erste Gespräche in Rom aufgenommen, aber nachdem das Thema hochaktuell ist, habe ich noch keine Rückmeldung.

Wie lautet Ihre Position?

Unsere Position ist folgende: Wir haben alle Register gezogen und geholfen, dass wir Olympia 2026 zustande bringen – und müssen jetzt feststellen, dass sich nach außen hin ein für unsere Begriffe unseriöser Partner, der relativ wenig zum Entstehen und Funktionieren der Spiele beigetragen hat, in Form eines Sponsorings vorzeigt. Das hätten wir auf staatlicher Ebene mit allen Regionen sicher auch gemacht. Jetzt nimmt man es zur Kenntnis und ist natürlich schon sehr enttäuscht.

Es bleibt somit beim verbalen Ärger ohne konkrete Folgen?

Wir sind ja insgesamt froh, dass die Spiele stattfinden. Was bleibt uns übrig? Uns bleibt in dieser Situation nicht viel anderes übrig als den Entscheidungsträgern auszudrücken, dass wir sehr enttäuscht sind. Dass wir unseren Job gemacht haben und beigetragen haben – auch für Cortina –, dass die Vorverträge für die Betten zusammenkommen. Diese Sponsorvereinbarung stört uns jetzt natürlich.

Der Pariser Hotelverband hat die Zusammenarbeit ausgesetzt und möchte erst einmal von den Verantwortlichen wissen, ob Airbnb die gleichen Regeln befolgen muss wie das Hotelgewerbe…
Das ist klar. Zwischen der Zahlung der Ortstaxe bis hin zu den verschiedensten Auflagen müssen wir viele Dinge erfüllen. Wir haben überhaupt kein Problem mit neuen, modernen Unterbringungsmöglichkeiten, aber die Auflagen müssen entsprechen. Das ist halt nicht der Fall, weshalb wir die ganze Vorgangsweise absolut unseriös finden. Uns lässt man die Drecksarbeit machen und dann macht man so eine Vereinbarung. So etwas kann einem nur in Italien passieren und gibt es in normalzivilisierten Staaten wahrscheinlich kaum.

Wie lauten Ihre allgemeinen Kritikpunkte zu Airbnb?
Airbnb-Vermietung muss natürlich von den einzelnen Gemeinden kontrolliert werden. Aber sie haben leider Gottes alle kein besonderes Rückgrat. Dabei wäre die gesetzliche Norm klar. Aber kontrolliert wird immer nur auf einer Seite. Dort, wo eigentlich zu kontrollieren wäre und wo es zu Ungereimtheiten kommt, drückt man beide Augen zu. Deshalb ist meine Position ganz klar: Auch in Südtirol – abgesehen von wenigen Ausnahmen – drücken die Gemeinden die Augen zu und akzeptieren unlautere Situationen. Das ist sicherlich mehr als falsch.

Das hieße: Wenn jede Unterkunft auf Airbnb gemeldet ist, regulär Steuern und Ortstaxe zahlt und die Standards einhält, wäre das überhaupt kein Problem?

Ja, natürlich. Das ist eine neue Form des Wettbewerbs, der man sich stellen muss. Aber es darf keine unlautere Situation geben.

Bleibt auch noch die Kritik, dass die Internetkonzerne kaum Steuern zahlen…

Auch dieses Thema verfolgen wir aufmerksam und reagieren entsprechend.

 Der unverfrorene Deal mit Airbnb

19.11.2019. Das IOC bandelt ausgerechnet mit einem Partner an, der weltweit das Wohnkonzept ganzer Städte aushebelt. Und die Sportler sollen ernsthaft mitverdienen. (SZ)

Kommentar von Thomas Kistner

Entzückt verkündet das Internationale Olympische Komitee (IOC) seinen jüngsten Coup: Das Vermietungsportal Airbnb wird weltweiter Partner der Spiele. Die neue Allianz mit dem Onlineanbieter ist auf neun Jahre angelegt und dient, ganz klar, nur frömmsten Zwecken: Bis Los Angeles 2028 sollen Organisationskosten und Neubauten-Bedarf reduziert und ein Direktumsatz für lokale Gastgeber generiert werden. Und mehr! Auch die Athleten dürfen künftig mitverdienen, indem sie nämlich über das Portal "eigene Einnahmequellen durch die Vermarktung ihrer sportlichen Leistung und der olympischen Werte" erschließen, teilt das IOC mit.

Klingt nicht schlecht, gehört aber, da es in der hermetischen Kommerzblase rund um die Ringe keine Wohltätigkeit gibt, der genaueren Prüfung unterzogen. Ein Befund drängt sich ja sofort auf: Es ist erstaunlich, dass das IOC mit einem Partner anbandelt, der weltweit dafür kritisiert wird, das Wohnkonzept ganzer Städte auszuhebeln. In vielen Innenstädten hat das Vermietungsmodell Airbnb zur Verdrängung angestammter Mieter geführt; wo anfänglich private Anbieter auftraten, haben sich bald kommerzielle Strukturen entwickelt, die den Wohnungsmarkt schrumpfen und die Mieten anschwellen lassen. So einen Partner jetzt ins Haus zu holen und dies mit der Nachhaltigkeit für Olympiastädte zu begründen, erscheint recht unverfroren.

Andererseits: Das IOC ist ja selbst eine Vermarktungsmaschine. Und so springen gleich zwei strategische Trümpfe ins Auge, die das neue Bündnis birgt. Unter Druck steht der Ringe-Konzern zum einen immer öfter in der Bevölkerung, zumal in olympischen Kandidaten- und Ausrichterstädten. Zum anderen begehren neuerdings auch die Athleten auf; sie drängen darauf, endlich angemessen am Milliarden-Reibach beteiligt zu werden, den sie durch ihre Leistungen für Olympia erlösen. Für beide Baustellen bietet der Airbnb-Deal nun Lösungen an.

Buche einen Olympiasportler: Auch das will Airbnb anbieten

Die Aussicht, über einen Spiele-Zeitraum richtig dicke Kohle aus dem privaten Wohnraum zu schlagen und das Einnahmemodell - auch eine Art Nachhaltigkeit - künftig weiter zu betreiben, könnte durchaus manchen olympischen Zweifler umstimmen. Und was das Lockangebot an die Sportler angeht: Könnte man diesen unersättlichen Nörglern nicht auf die Tour Wind aus den Segeln nehmen?

Die Idee ist jetzt ernsthaft: Vermarktet euch halt selbst über Airbnb! Ladet Fans zum Training ein, joggt, radelt oder grillt mit ihnen, schreibt Selfie-Termine mit Bewunderern aus, lasst sie eine Stunde Mitschwimmen oder Mitskispringen buchen. Irgendwas. Hauptsache, die Funktionäre können erzählen, sie reißen neue Verdienstquellen für Athleten auf. Wie es IOC-Boss Thomas Bach gerade tut.

Aber die Sportler, zumal die mit Sponsoren, brauchen keine Hinterhofbühne, auf der sie sich künftig selbst feilbieten. Sie wollen an Geldern beteiligt werden, die durch sie bereits verdient worden sind. Und die Bürger in Olympiastädten sollten nicht unbedingt animiert werden, unter dem Deckmäntelchen der Nachhaltigkeit ein umstrittenes Wohnmodell zu forcieren, das nach heutigem Stand mehr Schaden als Segen angerichtet hat.

 

OLYMPIA-ABSAGE – EIN GEWINN FÜR DIE DEMOKRATIE

Wegen der drohenden Ablehnung des Abenteuers Olympia in der steirischen Bevölkerung hat das ÖOC die Reißleine gezogen. Nachdem feststand, dass die KPÖ in Graz genügend Unterstützungserklärungen für eine Volksbefragung gesammelt hatte, musste es zu einer Entscheidung kommen.

Das Komitee «Nein zu Sion 2026» freut sich über das Nein

Die Walliserinnen und Walliser wollen nicht, dass ihre Steuergelder in einem kurzen Olympischen Strohfeuer landen. Vielmehr sollten damit Projekte unterstützt werden, von denen das Wallis als Kanton langfristig profitiert.

Danke an die Tiroler – Olympia-Watschn pickt!

Wir sagen den Tirolerinnen und Tirolern Danke für 53% Nein zu Olympia! Es ist zu billig, die Verantwortung für dieses Debakel nur auf das IOC und die schlechte Kampagne abzuschieben.  Die Tiroler haben bestens verstanden, worum es geht.

Das Bündner Volk hat Olympia den Zahn gezogen!

Der Grundsatzentscheid der Bündner Stimmbevölkerung  sich nicht in ein unkalkulier-bares Olympiaabenteuer zu stürzen.

Kritik an GR2022

Das Bündner Volk hat rechtzeitig den Stecker gezogen!

Bündnerinnen und Bündner wollen schuldenfrei bleiben, die Landschaft als Kapital erhalten und weiterhin Geld für die Unterstützung von nachhaltigem Tourismus, Bildung und Kultur zur Verfügung zu haben.